Bynder Marketing Insights Blog

Skirts, Cables, and Code: Woman and Tech

Written by Alisa Gorokhova | 4 März 2015

Kürzlich las ich in einem Artikel von Adam Grant und Sheryl Sandberg über geschlechtsspezifische Vorurteile. Sandberg ist eine laute Befürworterin der Diskussion über Frauen in Führungspositionen. Eine Heldentat also, die ihr gleichermaßen Aufmerksamkeit und Kritik von allen Seiten einbrachte. Ebenfalls ist sie Vorstand für das operative Geschäft von Facebook, war Präsidentin bei Google und Staatssekretärin im US-Finanzministerium. Adam Grant ist Professor an der Wharton School of the University in Pennsylvania und gleichzeitig Bestsellerautor.   

Immer wieder musste ich über die Ideen von Sandberg und Grant zu geschlechtsspezifischen Vorurteilen nachdenken, hauptsächlich aber deswegen, weil ich in meiner gesamten Karriere (die zugegebenermaßen nicht ganz so lang ist) in Männerdomänen tätig war. Ich selbst habe einen Abschluss in Politikwissenschaften und war nur eine von fünf Frauen in einer Klasse von 30 Studenten. Im Nebenjob wahrend meiner Studienzeit und selbst danach in meiner Nach-Uni-Zeit habe ich beinahe immer im Inbegriff des Technologiesektors gearbeitet.

Sandberg und Grant fassen die Vorurteile gegenüber dem anderen Geschlecht in einem einzigen Gedankengang zusammen:

Vater und Sohn haben einen Autounfall. Der Vater ist tot und der Sohn ist ernsthaft verletzt worden. Daher wird er ins Krankenhaus gebracht, wo der Chirurg sagt: „Ich kann nicht operieren, denn dieser Junge ist mein Sohn.“

Haben Sie es geschafft, herauszufinden wer es ist? Die Mutter des Jungen ist der Chirurg. Insgesamt 40-75% der Leute, mich eingeschlossen, haben das Rätsel nicht lösen können, weil es sehr alt ist. Die Wahrheit aber ist, dass die meisten von uns bei einer Person, die sich in einer Machtposition befindet, sofort einen Mann vorstellen. Ganz egal ob wir es mögen oder nicht.

In einem anderen Artikel schreiben Sandberg und Grant Folgendes:

„Halten wir an den tief verwurzelten geschlechtsspezifischen Vorurteilen fest, erwarten wir, dass Männer ambitioniert und ergebnisorientiert sind, Frauen hingegen fürsorglich und gemeinschaftlich. Wenn ein Mann seine Hilfe anbietet überhäufen wir ihn mit Danksagungen und Belohnungen. Hilft jedoch eine Frau, sind wir weniger zu Dank verpflichtet. Weil sie gemeinschaftlicher ist, richtig? Sie will ein Teamplayer sein. Das Gegenteil ist ebenfalls möglich. Hilft eine Frau einem Kollegen nicht, wird sie weniger geschätzt und ihre Karriere gerät ins Stocken. Aber wenn ein Mann „nein“ sagt erhält er keinen Gegenwind. Ein Mann, der nicht hilft, ist „beschäftigt“; eine Frau ist „selbstsüchtig.“

Natürlich würden Sandberg und Grant gerne die ersten sein, die zugeben würden, dass dies großflächige Verallgemeinerungen wären. Aber nicht jede Arbeitsstelle ist ein Nährboden für Frauenfeindlichkeit.

Nicht jede Frau wird von ihren Kollegen als Vollweib angesehen und nicht jeder Mann ist eine rücksichtslose und ambitionierte Führungspersönlichkeit. Und dennoch existieren geschlechtsspezifische Vorurteile. Ich wunderte mich, ob ich bisher diese Art von Vorteilen auf meiner Arbeit immer ignoriert habe. Obwohl ich auch bei Bynder eine der wenigen Frauen bin, habe ich mich niemals  benachteiligt gefühlt.

In meinem vorigen Job bei einem Unternehmen, das im Bereich Telemarketing tätig war und bei dem ich täglich mit Kunden zusammengearbeitet habe, war das eine ganz andere Sache. Ich entwickelte mich entgegen meiner eigenen Intuition zu einer Verkaufspersönlichkeit, um einerseits meine Verkaufsziele zu erreichen und andererseits von den Kunden ernst genommen zu werden. Sie sehen also, als junges Mädchen von etwa 20 Jahren war es aus Kundensicht (ganz egal ob Mann oder Frau) höchst schwierig als Autorität bezüglich technischer Belange akzeptiert zu werden.

Ich stellte fest, dass speziell wenn es um Kunden Support, Rückzahlung oder andere kostenlose Services ging , meine Freundlichkeit oft gegen mich ausnutzen wurde. Trotz meines Namensschilds wurde ich von Kunden und Kollegen oftmals als „Mädchen“ gefuren. Niemals habe ich gehört, dass ein Kunde „Junge“ zu einem männlichen Mitarbeiter gesagt hat. 

Mit der Zeit habe ich gelernt, mich als reserviertere Person zu verhalten. Und weil ich ein Mädchen bin, lies mich dieses Verhalten „gefühlskalt und gleichgültig“ auf andere wirken – was mir aber völlig egal war. Schließlich war es genau dieses weniger herzliche und fürsorglichere Verhalten, das mir mehr Respekt verschaffte und ich würde behaupten, dass es noch immer anhält, selbst wenn meine Tage als Telefonakquisiteurin lange vorbei sind. Die Kunden haben schließlich aufgehört von mir zu profitieren und durch mich einen Vorteil zu erlangen. Das wiederum rief weniger Getratsche hervor und sorgte für keine Überraschung, wenn ich technische Fachkompetenz bewies. An einem  besonders arbeitsreichen Tag, als ich in meiner beliebtesten, rechthaberischen und beherrschendsten Phase war, wurde mir gar eine Managementposition von einem Kunden angeboten, der in der Schlange stand Es stellte sich also heraus, dass meine abweisende Art ziemlich positive Auswirkungen auf meine Zukunft hatte.

Jetzt arbeite ich im Marketing- und Salesteam einer IT-Firma, in der die meisten Frauen in meiner Abteilung oder einer angrenzenden (Customer Success, Office Management, Implementation, etc.) beschäftigt sind. Doch zählen wir auch sehr talentierte weibliche Entwickler und Designer zu unserem Team.

Sie müssen verstehen, dass wir unsere technischen Mitarbeiter nicht allein nach dem Vorzug des weiblichen Geschlechts auswählen und einstellen. IT ist berechtigterweise ein Arbeitsbereich, in dem eher wenige Frauen vertreten sind. Als ich meine Kollegen bezüglich Ihrer Erfahrungen in der Studienzeit und anderen Firmen fragte, erfuhr ich, dass es genau so war, wie ich es mir vorgestellt habe: Äußerst gewöhnungsbedürftig, mit latent auftretenden Vorurteilen – ganz besonders, wenn man wie ein junges und zartes Mädchen aussieht.

Ich war begeistert zu hören, dass unsere weiblichen Entwickler zumindest bei uns darauf schworen, keiner Diskriminierung in einem überwiegend von Männern ausgeübten Arbeitsfeld ausgesetzt gewesen zu sein – Dank der Arbeitsatmosphäre von Bynder. Vielmehr fühlten sich einige sogar bei der losen Vermutung angegriffen, dass sie von Männern anders behandelt werden können. Eine meiner Kolleginnen bestätigte sogar, dass es einige Zeit brauchte, sich richtig einzugliedern und wie „einer der Jungs“ zu werden. Aber ich persönlich denke, dass das für jedes neue Team gilt, in das man hineinstößt. Es braucht nun mal Zeit und gemeinsame Erfahrungen mit den Kollegen, um Vertrauen zu gewinnen. Ganz egal, ob Mann oder Frau.

Wenn selbst meine eigenen Erfahrungen innerhalb einer Industrie so sehr schwanken, kann ich mir absolut nicht vorstellen, welch mühsame und beschwerliche Aufgabe es für Sheryl Sandberg war, mit ihrer Kampagne gegen alle Formen von geschlechtsspezifischen Vorurteilen am Arbeitsplatz vorzugehen. Ich kann in jenem Fall sagen, dass eine positive und offensive Gleichberechtigungskampagne ausschlaggebend für die Bekämpfung der Vorbehalte gegenüber dem anderen Geschlecht ist. Als besonders glücklich würde ich mich bezeichnen, dass ich in einem Team mitwirken darf, dass genau dieses Verhalten unterstützt.