Es ist eine große Leistung, sich 20 Jahre auf dem Markt zu beweisen, doch die Ära des Internet Explorers (IE) nähert sich nun Schritt für Schritt seinem Ende. Letzte Woche verlautete Microsoft auf seiner Unternehmenskonferenz in Atlanta, dass das Betriebssystem Microsoft 10 nicht länger mit Internet Explorer ausgerüstet wird. Alle Microsoft Produkte werden ab sofort mit Edge, einem Browser der neuen Generation, laufen. 

Es ist nun 25 Jahre her, dass der erste Web Browser (Netscape) auf dem Markt erschien. Nur drei Jahre später sagten Microsoft und Internet Explorer Netscape regelrecht den Kampf an. Seit den frühen 90er Jahren stellte IE mit einem Marktanteil von 95% ein Quasi-Monopol auf dem Markt dar. In den folgenden Jahren ruhte sich der Webgigant allerdings auf seiner Monopolstellung aus und schuf somit genug Raum für heutige Wettbewerber wie Mozilla, Google Crome und Safari sich auf dem Markt zu etablieren. 

Der IE Browser hat einige Unternehmenskrisen und Skandale ausgelöst. Anfang 2000 strukturierten immer mehr externe Unternehmen und große Organisationen ihre IT Infrastruktur entgegen der IE Technologie und im Herbst 2001, nach Veröffentlichung der 6. Version, entließ Microsoft endgültig sein gesamtes Development-Team. Während dieser Zeit traten immer wieder Sicherheitslücken auf, die erhebliche Probleme für die Internetnutzer hervorriefen. Talentierte und smarte Entwickler nutzen aber genau diese Chance, um daraus Profit zu schlagen: Sie programmierten ihre eigenen Browser und übernahmen Schritt für Schritt Marktanteile von Microsoft, sodass heutige Giganten wie Firefox sich ausweiten konnten. Fünf Jahre später, im Oktober 2006, veröffentlichte Microsoft endlich Version 7.

Im Dezember 2009 schockierte der globale Cyber-Angriff “Operation Aurora” die gesamte Technologiewelt. Wegen einer Sicherheitslücke der 6. Internet Explorer Version und des Windows XP Systems konnten Hacker auf die Daten von Unternehmen wie Google, Adobe System, Yahoo und Symantec zugreifen. Als Ergebnis dessen ließen die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Australien eine offizielle Warnung für die Nutzung des Internet Explorers verlauten und sprachen gleichzeitig Empfehlungen für andere Webbrowser aus.

Umfragen im Februar 2015 zeigten auf, dass Internet Explorer der unbeliebteste Browser war - nur 18% der User nutzen ihn, um in Internet zu surfen. Symbolisch gesehen ist Microsoft ein Paradebeispiel dafür, wie man buchstäblich Missmanagement betreiben kann. Ein stagnierendes Business bietet Konkurrenten die idealen Bedingungen, um auf der Überholspur zu fahren und Anteile auf dem Markt einzunehmen. Microsoft blockierte seine eigenen Innovationen, was wiederum letztendlich zum Niedergang des Internet Explorers führte. 

Die Verkündung des neuen Edge Netzwerkes ähnelt mehr einer Rebranding-Kampagne und Spekulationen zufolge versuche Microsoft lediglich, den IE neu zu erfinden. 

Es stellt sich die Frage, ob der erfolgreiche Launch des neuen, frischen Edge Browsers tatsächlich ausreicht, um die alten Fehler von Microsoft zu korrigieren? Werden sie es erneut an die Spitze des World Wide Web schaffen?

Zum heutigen Standpunkt können wir nur sagen “Rest in Peace Internet Explorer”. Wir werden dich nicht vermissen.